Inhaltliche Beschreibung:
Anmerkung: Die Systemwissenschaften gründen auf rekursive Ideen, daher kann es vorkommen, dass die Texte erst bei mehrmaligen Lesen zu verstehen sind.
Ziel der systembasierten Umweltforschung ist es, die Struktur, Funktionsweise und Dynamik des Naturraumes mit seinen anthropogenen Überprägungen, Interaktionen und Wechselwirkungen in allen zeitlichen Skalen und räumlichen Ebenen zu analysieren.
Da in der Systemtheorie eine einheitliche fachübergreifende Terminologie verwendet wird, eignet sie sich als ein einheitliches Beschreibungsmittel systemarer Prozesse. Durch die Bildung von Sub- und Teilsystemen, die untereinander streng abgegrenzt werden müssen, können Teilaspekte ausgegliedert und unter einem einheitlichen Kontext betrachtet werden. Die Systemtheorie zwingt somit zur Systematisierung und Strukturierung komplexer Zusammenhänge und fördert eine holistische Betrachtungsweise umweltwissenschaftlicher Fragestellungen.
Die Systemanalyse dient dazu, auf der Grundlage systemtheoretischer Erkenntnisse genug Informationen zu gewinnen, um für Problemstellungen des betrachteten Systems oder des Anwendungsgebietes Anforderungen an eine Problemlösung zu formulieren um anschließend Lösungen gestalten zu können. Prozessanalyse, Parametrisierung und Modellierung dienen als Handwerkszeug systematischer Untersuchungen umweltwissenschaftlicher Fragestellungen. Erst durch die systemanalytische Betrachtung und Untersuchung eines konkreten Systems lässt sich dessen Aufbau und seine äußere und innere Funktionalität verstehen, bewerten, klassifizieren und dokumentieren.
Lernziele:
Die Studierenden sollen...
- theoretische Grundlagen zum Verständnis komplexer Systeme erlernen,
- diese Kenntnisse auf ökologische Systeme bzw. Mensch-Umwelt-Systeme anwenden,
- Fähigkeiten erlernen, um komplexe Zusammenhänge zu
ordnen, Wechselwirkungen zu analysieren, wichtige von
unwichtigen Dingen zu trennen, ökologisch-systembasiert
zu abstrahieren,
- Handwerkszeug der Systemanalyse als Basis-Methodik
erlernen und verinnerlichen,
- Anwendungen anhand von Fallbeispielen durchführen.
Qualifikationen:
- Sytemares und abstrahierendes Denken
- Interdisziplinäres Arbeiten
- Gruppenarbeit
- Fähigkeit zur wissenschaftlichen Diskussion
- Literaturrecherche
Unterrichtsform:
- Seminar (Gruppenarbeit, Gruppenreferate, Diskussion)
Scheinerteilung:
- Ein Leistungsnachweis wird zusammen mit der Veranstaltung "Geoökologische Problemräume" ausgestellt.
- Eine aktive regelmäßige Teilnahme an der Veranstaltung ist Bedingung.
Voraussetzungen:
Sonstiges:
- Termine: 23.11, 07.12, 14.12, 04.01, 11.01, 18.01, 25.01, 01.02, 08.02
Lerninhalte:
1. Einführung (Begriffsdefinitionen, Forschungsansätze)
2. Grundbegriffe
2.1 Systemstrukturen, Systemhierarchien
2.2 Systemeigenschaften (Linearität, Nichtlinearität, Entropie, Reversibilität, Historizität, Emergenz, Resillienz, usw.)
3. Entwicklung von Geo(-öko)systemen
3.1 Stabilität und Instabilität
3.2 Resilienz, Rückkehrzeit und Reaktivität
3.3 Selbstorganisation
3.4 Evolution / Hemerobisierung
4. Modellkonzepte
4.1 Modelltypen
4.2 Datenerhebung
4.3 Modellbildung
4.4 Modellvalidierung
4.5 Modellprognose
5. Fallbeispiele
Literatur
Einführungen / Allgemeine Übersichten
- Barsch, H., Billwitz, K. u. H.-R. Bork [Hrsg.] (2000): Arbeitsmethoden in Physiogeographie und Geoökologie. Klett-Perthes, Gotha und Stuttgart .
- Blumenstein, O., Schachtzabel, H., Barsch, H., Bork, H.-R. u. U. Küppers (2000): Grundlagen der Geoökologie. Springer-Verlag, Berlin u. a.
- De Groot, R.S. (1992): Functions of nature. Wolters-Noorhoff.
- Ebeling, W. (1989): Chaos - Ordnung - Information. Franfurt/M.
- Ehlers, E., u. T. Krafft [Eds.] (2001): Understanding the Earth System. Springer- Verlag, Berlin-Heidelberg.
- Ellenberg, H. (1973): Ökosystemforschung. Ziele und Stand der Ökosystemforschung. Berlin.
- Finke, L. (1996): Landschaftsökologie. Das Geographische Seminar. Westermann, Braunschweig.
- Fränzle, O. (1998): Grundlagen und Entwicklung der Ökosystemforschung. In: Handbuch der Umweltwissenschaften II-2.1 – 3: 1 – 24. Erg. Lfg. 12/98. ecomed, Landsberg am Lech.
- Haken, H. (1981): Erfolgsgeheimnisse der Natur. Synergetik: Die Lehre vom Zusammenwirken.
- Krieger, D.J. (1996): Einführung in die allgemeine Systemtheorie.
- Klug, H. u. R. Lang (1983): Einführung in die Geosystemlehre. Wissenschaftl. Buchgesellschaft, Darmstadt.
- Krieger, D.J. (1996): Einführung in die allgemeine Systemtheorie.
- Leser, H. (1997): Landschaftsökologie. UTB, Ulmer-Verlag, Stuttgart.
- Leser, H. (1998): Geowissenschaften. In: In: Handbuch der Umweltwissenschaften II-3.1 – 3: 3 – 18. ecomed, Landsberg am Lech.
- Matschonat, G. & A. Gerber (2003): Wissenschaftstheoretische Perspektiven für die Umweltwissenschaften. Weikersheim.
- Odum, E.P. (1969): The strategy of ecosystem development. Science 164, 262-270.
- Odum, H.T. (1983): Systems ecology: An introduction. New York .
- Schneider-Silwa, R., Schaub, D. u. G. Gerold [Hrsg.] (1999): Angewandte Landschaftsökologie – Grundlagen und Methoden. Springer-Verlag , Berlin , Heidelberg .
- Steinhardt, U., Blumenstein, O. u. H. Barsch (2005): Lehrbuch der Landschaftsökologie. Elsevier, Heidelberg.