Allgemeines:
Stadtökologie ist eine Teildisziplin der Ökologie, die sich mit den städtischen Biozönosen, Biotopen und Ökosystemen, ihren Organismen und Standortbedingungen sowie mit Struktur, Funktion und Geschichte urbaner Ökosysteme beschäftigt. Urbane Ökosysteme weisen wegen den permanenten anthropogenen und technogenen Einflüssen (z. B. Wohnen, Verkehr, Industrie und Handel) und deren Historizität eine Reihe Besonderheiten auf, die sich gegenüber nicht-städtischen Ökosystemen vor allem durch folgende Charakteristika deutlich unterscheiden:
- Bodenbeschaffenheit, Wasserverhältnisse, Artenkombination, Mikroklima (Strahlungs- und Energiehaushalt, Windverhältnisse) sind im hohen Maße von den aktuellen und teilweise auch von den historischen anthropogenen Einflüssen abhängig;
- Räumliche Gradienten sind technogen geprägt, d. h. die Geosystemgrenzen haben deutliche sprunghaft ausgeprägte Barrieren und sie besitzen einen perennierenden Charakter,
- sie weisen eine poly- bis metahemeroben Zustand auf, d. h. verstärkte Stoffumsätze und eine Intensivierung der Energie- und Informationssflüsse führen zu einer Veränderung der Kontrollparameter und zur Verstärkung von irreversiblen Trends (Systeme sind fern der Natürlichkeit),
- sie weisen eine geringe Autarkie auf, d. h. es muss ein ständiger anthropogener Energieinput in das System eingebracht werden, um die Systemzustände zu erhalten,
- geringer Integrations- und Organisationsgrad, d. h. es finden kaum Abhängigkeiten und Interaktionen, Selbstregulationsvorgänge oder Rückkopplungen zwischen den einzelnen Arten statt, die Systeme sind fern vom Gleichgewicht;
- der Verlauf von Sukzessionen ist schwieriger prognostizierbar;
- Verstärktes Auftreten von Neopyhten und Neozoen.
Dies hat zur Folge, dass bei der stadtökologischen Standortsanalyse und deren Bewertung nicht nur die „klassischen“ Parameter wie Flora, Fauna, Boden, Klima, Wasser- und Nährstoffversorgung zu klären sind sondern das auch die menschlichen Einflüsse mit ihren sozialen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und geschichtlichen Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Somit ist das Ziel der stadtökologischen Forschung, die verschieden Erkenntnisse aus der Ökosystemforschung, der Gesellschafts, Wirtschafts- und Humanwissenschaften in die Stadtplanung einzubeziehen um eine Verbesserung der Lebensbedingungen und eine dauerhaft umweltverträgliche Stadtentwicklung zu erreichen.
Lernziele:
19 September, 2006 1519 September, 2006 15:32scher und geoökologischer Standortsfaktoren im Hinblick auf stadtökologischen Fragestellungen anhand eines Fallsbeispieles erlernen.
Quailifikationen:
- Erkennen von stadtökologischen Problemfeldern
- Erlangung praktischer Kenntnisse in der biozönotischen und geoökologischen Standtortanlayse
- Durchführung von Bewertungs- und Planungsverfahren in der Stadtökologie
- Anwendung von Geographischen Informationssystemen
- Gruppenarbeit
- Kommunikation mit örtlichen Planungsämtern und Entscheidungsträgern
Voraussetzungen:
- Hauptstudium, gute Kenntnisse im Umgang mit dem PC
- Analyse und Bewertung ausgewählter Ökosysteme
Zulassungsbeschränkung:
- Es werden maximal 20 Studierende, bevorzugt aus höhren Semestern zugelassen.
Umfang und Ort:
- Projektseminar: 2 SWS
- Die Veranstaltung findet als Blockveranstaltung statt.
Scheinerteilung:
- Durch eine aktive Teilnahme und die Vorstellung einer (Gruppen-)Projektarbeit bzw. eines Referates kann ein Leistungsnachweis ausgestellt werden (studienbegleitende Scheinerteilung).
Alte Studienordnung:
| Lehrveranstaltung |
Umfang |
Modul |
| Stadtökologie |
2 SWS |
XX: Wahlpflicht Geographie |
Neue vorläufige Studienordnung:
| Lehrveranstaltung |
Umfang |
Modul |
| Urbane Räume |
2 SWS |
AÖK4:
Ökologie der Landschaft |
Literatur:
Adam, K. (1988): Stadtökologie in Stichworten, Hirts Stichwörterbuch. Hirt, Unterägeri.
Fellenberg, G. (1991): Lebensraum Stadt. Teubner, Stuttgart.
Gilbert, O. L. (1989): The ecology of urban habitats. Chapmann and Hall, London, New York.
Klausnitzer, B. (1993): Ökologie der Großstadtfauna. 2. bearb. Auflage. G. Fischer, Jena und Stuttgart.
Koch, M. (2001): Ökologische Stadtentwicklung. Kohlhammer, Stuttgart.
Schmidt-Eichstadt, G. (1996): Stadtökologie, Lebensraum Großstadt. Meyers Forum, Bibliographisches Institut, Mannheim.
Sukopp, H., Wittig, R. [Hrsg.] (1998): Stadtökologie. 2. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Jena.
Wittig, R. (1991): Ökologie der Großstadtflora. G. Fischer, Stuttgart.